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The Table

Blick in die russische Leere

Von Regula Fuchs. Aktualisiert am 02.12.201

Dante, russische Märchen und die Befindlichkeit eines Landes: Das Gastspiel des St. Petersburger Theaters Pokoleniy verspricht ungewöhnliche Einsichten.

Szene aus dem Stück «Stol». (zvg)

Szene aus dem Stück «Stol». (zvg)

Gerade zu Weihnachten haben auch sie wieder Hochkonjunktur: die russischen Märchen, in denen der Wald noch ein Stück dunkler, die Bösen noch ein Stück böser und die Verwandlung der Helden noch ein Stück radikaler erscheint. Eine Verbindung zum typischen russischen Märchen schafft das Gastspiel des St. Petersburger Theaters Pokoleniy im Schlachthaus. In «Stol» (auf Deutsch: der Tisch) tritt ein Held auf, der ein Prototyp aus einem russischen Märchen sein könnte. Auch er tut eine Reise, auch er ist mit sich selber konfrontiert, auch er erlebt am Schluss eine Art spiritueller Erneuerung. Ein Art Narr sei er, schreibt das Theater Pokoleniy über seinen Helden Ivan, ein Mensch, der in einer Lüge lebt, die so gewöhnlich ist, dass er sie selber nicht bemerkt. An einem Silvesterabend kommt es schliesslich zur Konfrontation mit sich selbst – und zur Wiedergeburt.

Das Stück, das im Schlachthaus auf Russisch mit deutschen Übertiteln gezeigt wird, macht Anleihen bei Dante, reflektiert nach eigenen Angaben aber auch die Befindlichkeit im gegenwärtigen Russland; jene Leere zwischen nostalgischer Sowjet-Verklärung und dem «unideologischen Karrieristendenken der‹neuen Russen›».

Das Teatr Pokoleniy («Theater der Generationen») existiert seit 1990 und entwickelte einen eigenen Schauspielstil, der auf der Stanislawski-Tradition beruht. In «Stol» treibt man zudem die Suche nach einer nicht linearen Erzählweise weiter, die verstärkt auf Bilder setzt. Im Zentrum des Abends steht denn auch der titelgebende Tisch.

Schlachthaus-Theater, Bern. Mittwoch, 8. Dezember 2010, Freitag und Samstag, 10. und 11. Dezember, jeweils 20.30 Uhr. Ab 20 Uhr Einführung ins Stück.(Der Bund)

Erstellt: 02.12.2010, 11:29 Uhr